KPMG-Studie: 180 Millionen Franken fliessen an illegale Casinos
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Was die Studie gemessen hat
Die KPMG-Analyse zum illegalen Online-Glücksspiel in der Schweiz kam zu einem Ergebnis, das die Dimensionen des Problems quantifiziert: Jährlich fliessen schätzungsweise rund 180 Millionen Franken von Schweizer Spielenden an Online-Casinos, die keine ESBK-Konzession besitzen und damit illegal im Schweizer Markt aktiv sind. Diese Zahl ist eine Schätzung, kein präziser Buchungswert — aber sie ist mit vertretbarer Methodik hergeleitet und von der ESBK als plausible Grössenordnung anerkannt.

Was bedeutet diese Schätzung konkret? Auf der einen Seite: 180 Millionen Franken, die nicht der Spielbankenabgabe unterliegen und damit nicht in den AHV-Fonds fliessen. Auf der anderen Seite: 180 Millionen Franken, die ausserhalb des regulierten Rahmens umgesetzt werden — ohne gesetzliche Spielerschutzmassnahmen, ohne ESBK-Aufsicht, ohne Spielsperren, ohne Einzahlungslimits. Für die Spielenden, die dieses Geld einsetzen, bedeutet das ein vollständig anderes Risikoniveau als im konzessionierten Markt.
Warum Spielende zu nicht-lizenzierten Anbietern wechseln
Die Studie und ergänzende Branchenbeobachtungen zeigen mehrere Motive, warum Schweizer Spielende illegale Anbieter nutzen. Das am häufigsten genannte Motiv ist das Bonusangebot: Nicht-lizenzierte Anbieter können aggressivere Boni und Promotionen anbieten, weil sie nicht der Spielbankenabgabe und den Spielerschutzkosten unterliegen. Was im konzessionierten Markt durch die Abgabenlast begrenzt ist, ist im illegalen Markt ohne diese Einschränkung möglich — zu Lasten der Schutzinfrastruktur.

Ein zweites Motiv ist die Spielauswahl: Manche Spielende suchen Spielformate oder Provider, die im konzessionierten Schweizer Markt nicht verfügbar sind. Das kann spezifische Slot-Titel sein, bestimmte Live-Dealer-Formate oder Spiele mit anderen Einsatzobergrenzen.
Ein drittes Motiv ist die Anonymität: Nicht-lizenzierte Anbieter verlangen häufig keine oder weniger strenge KYC-Prüfungen. Das zieht Spielende an, die ihre Identität nicht offenbaren wollen — aus legitimen Datenschutzgründen, aber auch aus solchen, die dem Spielerschutz entgegenlaufen, etwa weil man im Schweizer Sperr-Register steht.
Massnahmen gegen illegale Angebote
2026 hat die ESBK 132 Strafentscheide gegen nicht-lizenzierte Betreiber erlassen und 467 illegale Online-Spielangebote gesperrt. Diese Zahlen zeigen, dass die Strafverfolgung aktiv und quantitativ bedeutsam ist — aber auch, dass die Menge illegaler Angebote gross genug ist, um trotz Sperrungen relevant zu bleiben.

Die Zahlungssperre ist eine der wirksamsten Massnahmen: TWINT, PostFinance und Schweizer Banken sind gesetzlich verpflichtet, Zahlungen an gesperrte Betreiber zu blockieren. Das macht es für Spielende schwieriger, bei illegalen Casinos einzuzahlen — nicht unmöglich, aber schwieriger. Die Kombination aus Sperrliste, Zahlungsblockade und Strafverfolgung zielt darauf ab, die wirtschaftliche Basis des illegalen Markts zu erodieren.
Der Schweizer Casino Verband hat die Situation direkt beschrieben: «Es macht doch keinen Sinn, wenn in der Schweiz jährlich über 10 000 Spielerinnen und Spieler gesperrt werden und diese dann einfach bei den illegalen Online-Casinos weiterspielen können.» Die Zahlungssperre ist die direkte Antwort auf dieses Problem — und TWINT ist Teil dieser Antwort. Mehr zur Funktionsweise der Zahlungssperre erkläre ich im Artikel Zahlungssperre bei illegalen Casinos via TWINT.
Was Spielende konkret betrifft
Für Spielende, die in der Schweiz wohnen und Online-Casino-Spiele geniessen wollen, ist die KPMG-Studie ein nutzliches Realitäts-Check. Der illegale Markt existiert, er ist mit 180 Millionen Franken Jahresvolumen signifikant — aber er bietet keinen Spielerschutz, keine ESBK-Aufsicht und keine rechtliche Handhabe bei Streitigkeiten. Wer bei einem illegalen Casino Geld deponiert und der Betreiber zahlt nicht aus, hat keinen Schweizer Rechtsweg.

Im konzessionierten Markt ist das anders: Spielende können sich an die ESBK wenden, wenn ein Betreiber gegen Konzessionspflichten verstösst. Das ist kein Trivialrecht — es ist ein konkreter Schutzmechanismus, den der illegale Markt nicht bieten kann und nicht bietet.
Perspektive der nächsten Jahre
Die KPMG-Studie ist nicht der letzte Stand: Der illegale Markt verändert sich schneller als Regulierung sich anpasst. Neue Technologien — insbesondere Kryptowaahrungen und dezentralisierte Zahlungssysteme — können die Zahlungssperren unterlaufen, die für traditionelle Zahlungsdienstleister wie TWINT gelten. Die ESBK und die politischen Entscheidungsinstanzen beobachten diese Entwicklungen und arbeiten an regulatorischen Antworten.

Was konstant bleibt: Der konzessionierte Markt mit TWINT, ESBK-Aufsicht und gesetzlichem Spielerschutz ist die rechtssichere, schützende Option für Schweizer Spielende. Der illegale Markt, unabhängig von seiner Grösse und seinem Bonusangebot, bietet diese Sicherheit nicht.
Was die KPMG-Zahl für das Spielerschutzargument bedeutet
Die 180 Millionen Franken, die jährlich an nicht-lizenzierte Anbieter fliessen, sind nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust für den konzessionierten Markt. Sie sind ein Spielerschutz-Defizit. Jede dieser 180 Millionen Franken wird in einem Umfeld ausgegeben, in dem keine Spielersperre greift, kein Einzahlungslimit vorgeschrieben ist, keine KYC-Pflicht besteht und keine ESBK-Aufsicht intervenieren kann. Das ist nicht nur eine regulatorische Lücke — es ist eine strukturelle Gefährdung für die Spielenden, die dieses Geld einsetzen.
Die Spielsperren-Statistik illustriert das Problem. 2026 wurden 18 216 neue Spielsperren in der Schweiz eingetragen. Wer im Spielsperr-Register steht, kann bei keinem konzessionierten Betreiber mehr spielen — aber bei nicht-konzessionierten Anbietern, die die Schweizer Sperrliste nicht prüfen und nicht prüfen müssen, kann die Person ungehindert weiterspielen. Das ist die Systemlücke, die der Schweizer Casino Verband und die ESBK gleichermassen thematisieren: Die Sperre funktioniert nur innerhalb des konzessionierten Systems.
Für Spielende, die das Spielerschutzsystem ernst nehmen, ist die KPMG-Studie also nicht nur eine wirtschaftliche Information. Sie beschreibt, wie gross der Teil des Markts ist, der ohne die Schutzmechanismen auskommen muss, auf die konzessionierte Betreiber verpflichtet sind. Wer bei einem konzessionierten Casino spielt, ist in diesem System mit all seinen Mechanismen. Wer bei einem nicht-lizenzierten Anbieter spielt, ist es nicht.
TWINT als Teil der Lösung
TWINT ist nicht nur passiv von der ESBK-Sperrliste betroffen — es ist aktiver Bestandteil der Lösung. Indem TWINT als einer der meistgenutzten Schweizer Zahlungsdienstleister die Zahlungssperrpflicht konsequent umsetzt, verengt sich der verfügbare Zahlungskanal für illegale Casinos systematisch. Wer keine bequeme Zahlungsmethode mehr für ein gesperrtes Casino nutzen kann, hat weniger Anreiz, dort zu spielen. Das ist kein vollständiger Schutz — Umgehungswege existieren — aber es erhoht die Friktionshürde und schreckt zumindest einen Teil der Spielenden ab, die den Weg des geringsten Widerstands wählen. In diesem Sinne ist TWINT nicht nur Zahlungsmethode, sondern Regulierungsinstrument.
Die Verbindung zwischen illegalen Casino-Geldflüssen und dem Spielerschutz-System ist direkt: Jeder Franken, der im konzessionierten Markt bleibt, ist ein Franken, der Spielerschutzmassnahmen — Spielsperren, KYC, Einzahlungslimits — unterliegt. Jeder Franken, der in den nicht-konzessionierten Markt fliesst, entzieht sich diesen Mechanismen. Die 180 Millionen Franken der KPMG-Schätzung sind deshalb nicht nur eine wirtschaftliche, sondern eine spielerschutzpolitische Grösse.
